
Wenn du dich für eine Therapie entscheidest, gibt es viele Fragen, die wichtig sind:
Welche Methoden werden angewendet?
Welche Ausbildung hat der Therapeut oder die Therapeutin?
Wie lange dauert der Prozess?
Für mich gibt es eine Frage, die allem vorausgeht – und die viel zu selten gestellt wird:
Welches Menschenbild prägt dich als Therapeut:in?
Denn Therapie ist nie neutral.
Hinter jeder Haltung, jeder Intervention, jedem Schweigen steht eine grundlegende Annahme darüber, wer der Mensch ist.
Ist der Mensch ein zu reparierendes System?
Ein Bündel aus Symptomen?
Ein Produkt seiner Geschichte?
Oder ein Wesen, das im Kern heil ist – auch wenn es verletzt wurde?
Und genauso wichtig:
Welches Menschenbild trägst du selbst über dich?
⸻

Mein Menschenbild
Mein Menschenbild ist geprägt vom christlichen Glauben.
Von einem Gott, der über dich spricht, dass du geliebte Schöpfung bist.
Dass über deinem Leben ein ewiges Ja steht – nicht als Belohnung für Leistung, Anpassung oder „funktionierendes“ Verhalten, sondern einfach, weil du bist.
Ich glaube, dass deine Würde unantastbar ist.
Unabhängig davon, was du erlebt hast.
Unabhängig davon, was andere dir angetan haben.
Unabhängig davon, wie sehr du dich selbst vielleicht verloren hast.
Im Zentrum dieses Menschenbildes steht für mich die Überzeugung,
dass es in jedem Menschen einen heiligen inneren Kern gibt.
Einen Ort, der nicht zerstört werden kann.
Einen Ort, den ich Seele nenne.
Trauma, Verletzungen, Überlebensstrategien können diesen Kern überlagern, schützen, verdecken –
aber sie sind nicht dieser Kern.
⸻
Therapie als Erinnerung
Aus diesem Menschenbild heraus verstehe ich Therapie nicht als Reparatur,
sondern als Erinnerungsprozess.
Eine Erinnerung daran, wer du jenseits von Angst, Anpassung, Schuld oder Scham bist.
Eine langsame, körperlich verankerte Rückverbindung mit dem,
was in dir lebendig, wahr und eigen ist.
Ich begegne Menschen nicht als „Fälle“,
sondern als Subjekte mit Geschichte, Würde und innerer Weisheit.
Und ich arbeite in dem Vertrauen,
dass Heilung nicht gemacht wird –
sondern dort geschieht, wo Sicherheit, Beziehung und Achtung vor diesem inneren Kern entstehen dürfen.
⸻
Eine Einladung zur eigenen Frage
Vielleicht magst du dir – unabhängig davon, ob du therapeutisch arbeitest oder Therapie suchst – selbst diese Frage stellen:

Welches Menschenbild trage ich über mich?
Ist es geprägt von Mangel oder von Würde?
Von Defizit oder von einem inneren Ja?
Denn dieses Bild wirkt – leise, aber tief –
in deinem Körper, in deinen Beziehungen, in deinen Entscheidungen.
Und manchmal beginnt Veränderung genau dort:
bei einem neuen, liebevolleren Blick auf das,
was du im Innersten bist.
